Gedenkkultur

«Zeichnungen des Schreckens aus dem Todeslager»

Der Dresdner Forscher Ralph Richter hat im Deutsch-Russischen Kulturinstitut einen multimedia Vortrag „Zeichnungen des Schreckens aus dem Todeslager“ über das Lager der Kriegsgefangenen des Zweiten Weltkrieges  in Zeithain in Sachsen gehalten. Nach Meinung des Autors sollte das der wahrscheinlich größte Massenmord von Kriegsgefangenen im Sachsen gewesen sein. In anonymen brüderlichen Gräbern unfern des Eisenbahnknotens Riesa, zwischen Dresden und Leipzig gelegen, befinden sich die Leichen von mindestens 30 Tausend sowjetischer Kriegsgefangenen, die unter unmenschlichen Bedingungen bis Kriegsende 1945 starben. Zur Grundlage seines Berichtes legte Ralph Richter das Buch „Zeichnen mit Blut“ des ehemaligen Todeslagergefangenen Alexander Pakhomow. A. Pakhomow wohnte vor dem Krieg in Sotschi und unterrichtete in der Schule Zeichnen. In den Kriegsjahren sah er die Massenvernichtung der Menschen und zeichnete Gefangenschaft, KZ Lager, Sterben infolge von Hunger und Folter. Im Lager Zeithain hat A. Pakhomow den  bekannten Schriftsteller und einen der Leiter des Widerstandes Stepan Slobin kennengelernt. Pakhomow und seine Kameraden haben die Zeichnungen jener Zeit behalten, um die Schrecken des Faschismus den folgenden Generationen zu verdeutlichen. Das Buch mit dem Vorwort von Stepan Slobin erschien im Jahre 1966. Veteran der Gruppe der sowjetischen Streitkräfte in Deutschland, A. N. Jaryschko, hat geholfen, diese seltene Ausgabe zu finden. Die Zeugen jener Zeit leben nicht mehr, aber dank dieses Buches (die ausgewählten Seiten wurden von Ralph Richter übersetzt) kann man heute der Fälschung der Geschichte entgegenstehen. Dass dieses Thema noch aktuell ist, erinnern uns die Schüsse auf das Denkmal in Zeithain. Dabei wurden die Schilder auf die Gedenktafeln beschädigt. Der Polizei ist es nicht gelungen, die Täter zu ermitteln. In Vorbereitung des 75. Jahrestages des Sieges über Nazideutschland wird das Deutsch-Russische Kulturinstitut mit der Unterstützung des Generalkonsulates der RF in Leipzig ein multimedia Projekt auf Deutsch und Russisch vorbereiten, das über die Schicksale der Häftlinge der sächsischen Todeslager berichtet.

«Dresden. Chronik der Tragödie»

Die Partnerstädte Dresden und St. Petersburg vereinen nicht nur den Weltruhm der Kulturhauptstädte, sondern auch die schrecklichen Wunden, die der Zweite Weltkrieg in ihrer Geschichte hinterlassen hat. Am 13. Und 14. Februar 1945 unternahmen die Westalliierten eine Reihe von Luftangriffen auf den Großraum der Stadt Dresden, Hauptstadt Sachsens. Als Folge deren wurde die historische Innenstadt fast völlig zerstört. Der bekannte Autor und Regisseur Alexei Denisov hat 2006 für den Fernsehsender “Kultura”; einen Dokumentarfilm “Dresden. Chronik der Tragödie” gedreht. Mitglieder unseres Instituts haben aktiv bei der Schaffung des Filmes geholfen. Bei der Veranstaltung zu diesem Trauerdatum versammelten sich im Dresdner Deutsch- Russischen Kulturinstitut Vertreter von politischen Parteien und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, um mit der Ansicht des russischen Dokumentarfilmers auf diese globale Tragödie vertraut zu werden und anschließend zu diskutieren. Während der Diskussion über den Film äußerten die Diskussionsteilnehmer ihre Besorgnis über die angespannte militärische Lage in Europa.

https://www.drki.de/wp-content/uploads/2018/03/47cf288e8d3e4a8417a21b7ea2cd8304-1-1.jpg

Die Fläche der Zerstörungszone war viermal größer als in Nagasaki nach dem Atombombenabwurf der Amerikaner am 9. August 1945. Die Bombenangriffe zerstörten bis zu 75-80% des Wohngebiets in der Stadt. Gleichzeitig war der den Industriebetrieben entstandene Schaden geringer. Der Eisenbahnknotenpunkt und eine Brücke über die Elbe waren unbeschädigt geblieben. Der Eisenbahnverkehr wurde nach zwei Wochen wieder in Betrieb genommen. Truppentransporte fuhren sogar schon nach wenigen Tagen wieder. Laut der Analyse, die die historische Abteilung der US-Luftwaffe verbreitete, wurden 25.000 Menschen getötet, laut offiziellen Angaben der historischen Abteilung der britischen Royal Air Force – mehr als 50 Tausend Menschen. Später behaupteten die Westalliierten, der Überfall auf Dresden sei eine Reaktion auf die auf der Jalta-Konferenz von 1945 angeblich geäußerte Bitte des sowjetischen Kommandos, den Eisenbahnknotenpunkt der Stadt zu vernichten. Wie aus den freigegebenen Protokollen der Jalta-Konferenz folgt, die zum ersten Mal im Dokumentarfilm des Regisseurs Alexei Denisov gezeigt wurden, hat die UdSSR niemals die anglo-amerikanischen Verbündeten gebeten, Dresden während des Zweiten Weltkriegs zu bombardieren. Die sowjetische Führung hat um den Angriff auf die Eisenbahnknotenpunkte Berlin und Leipzig gebeten, was die Verlegung von etwa 20 Deutschen Divisionen und etwa 30 weiteren Divisionen von der Westfront zur Ostfront zu Grunde hatte. Gerade darum wurden Roosevelt und Churchill schriftlich gebeten. Nach Kriegsende wurden die Ruinen von Wohnhäusern, kulturhistorischen Bauten und Kirchen abgerissen. Anstelle von Innenstadt gab es nach der Enttrümmerung nur noch eine Fläche mit denmarkierten Grenzen ehemaliger Straßen und Gebäude. Die Neubebauung und Restaurierung desStadtzentrums dauerte über 40 Jahre, bis heute laufen noch die Bauarbeiten zur Rekonstruktion von historischen Gebäuden auf dem Neumarkt.

Familie Zwetajew: russische Weltkultur in Dresden

[et_pb_section][et_pb_row][et_pb_column type=”4_4″][et_pb_text admin_label=”Text” background_layout=”light” text_orientation=”left” use_border_color=”off” border_color=”#ffffff” border_style=”solid”]

Von April bis Mitte November 2017 erforschten Jugendliche im Rahmen des Projekts „Spurensuche“ der Sächsischen Jugendstiftung gemeinsam mit dem DRKI den Aufenthalt der russischen Nationaldichterin Marina Zwetajewa und ihres Vaters, den Kunsthistoriker und Gründer des Puschkin-Museums in Moskau, Iwan Zwetajew in Dresden. Anlass war der 125. Geburtstag Zwetajewas im Oktober 2017, an welchem eine Infotafel am Wohnhaus Zwetajewas (Rißweg 14 am Weißen Hirsch) enthüllt werden sollte (und auch wurde).
Die Jugendlichen durchforsteten Material, welches zu Zwetajewa in Dresden bereits vorhanden war (u.a. vom DRKI und von Prof. Erhard Hexelschneider). In Leipzig sprachen wir mit Elena Beleninova, die früher im Zwetajewa-Museum in Moskau gearbeitet hatte und uns wertvolles Material mitgab. Anhand der Biografie von Anastasja Zwetajewa, der Schwester Marinas, fanden wir viele Berichte über die Zeit Marinas in Dresden: Im Sommer 1910 kam sie auf Wunsch ihres Vaters, welcher beruflich in Dresden zu tun hatte, mit ihrer Schwester zur Pfarrersfamilie Bachmann nach Oberloschwitz. Der offizielle Grund war, ihre Deutschkenntnisse zu verbessern, aber insgeheim wollte Zwetajewas Vater seine Töchter dem Einfluss der Moskauer Bohème entziehen. In Dresden fiel Marina durch ihr extravagantes Aussehen – kurze Haare, hochhackige Schuhe, Zigaretten – auf, welches jedoch zu ihrer Überraschung toleriert wurde. Ein paar Gedichte entstanden auch zu dieser Zeit.
Iwan Zwetajew, der ein bedeutender Archäologe, Altphilologe und Kunsthistoriker war, wollte in Russland ein öffentliches Skulpturenmuseum gründen. Das Albertinum in Dresden gefiel ihm am besten. 1881 bis 1912 führte er einen intensiven Briefwechsel mit Georg Treu, dem Direktor des Albertinums. Treu war übrigens deutschbaltischer Herkunft. 1912 gründete Zwetajew das „Kaiser-Alexander-III.-Museum der schönen Künste“ in Moskau, heute bekannt als das Staatliche Museum für Bildende Künste A.S. Puschkin. „In Moskau ein kleines Albertinum bauen“, so lautete Zwetajews Vorstellung.
In dem Projekt erarbeiteten die Jugendlichen Unterschiede und Gemeinsamkeiten der beiden Museen: So ist z.B. das Albertinum komplex strukturiert und die Exponate sind verschieden im Raum angeordnet, während das Puschkin-Museum einfach strukturiert ist und die Exponate in einförmigen Reihen angeordnet sind. Bei dem Design der Infotafel für das Wohnhaus von Marina Zwetajewa halfen die Jugendlichen ebenso mit und waren teilweise bei den Feierlichkeiten am 8. Oktober 2017 dabei. Bei den Sächsischen Jugendgeschichtstagen im Sächsischen Landtag zeigten wir am 24. November 2017 eine Power-Point-Präsentation mit allen wichtigen Informationen. Die Teilnehmerin und Praktikantin Emma Volkova hatte zwei Roll-Ups angefertigt, die von den Besuchern interessiert gelesen wurden.
An dem Projekt haben teilgenommen: Alaa Al Saad, Alissa Otto, Caroline Hensel, Christina Wächter, Daniil Shevchenko, Dora Röder, Emma Volkova und Ivan Podgorny. Freyja Ebner vom DRKI leitete das Projekt gemeinsam mit Emma Volkova.
Wir freuen uns sehr über das gelungene Projekt und hoffen, die Ausstellung vielen Kulturinteressierten und Schulklassen zu zeigen.

[/et_pb_text][et_pb_gallery admin_label=”Galerie” gallery_ids=”1799,1804,1803,1802,1801″ fullwidth=”on” show_title_and_caption=”on” show_pagination=”on” background_layout=”light” auto=”off” hover_overlay_color=”rgba(255,255,255,0.9)” caption_all_caps=”off” use_border_color=”off” border_color=”#ffffff” border_style=”solid” /][/et_pb_column][/et_pb_row][/et_pb_section]

Zwetajewa-Fest

[et_pb_section][et_pb_row][et_pb_column type=”4_4″][et_pb_text admin_label=”Text” background_layout=”light” text_orientation=”left” use_border_color=”off” border_color=”#ffffff” border_style=”solid”]

Im Mittelpunkt der Feierlichkeiten am 8. Oktober 2017 stand die Enthüllung einer Infotafel am sog. Norwegischen Haus am Rißweg 14 auf dem Weißen Hirsch. Im Jahr 1910 hatten Marina Zwetajewa und ihre Schwester Anastasja hier den Sommer verbracht.

Der DRKI-Vorstandsvorsitzende Dr. Wolfgang Schälike eröffnete das Fest mit einer Rede über die Bedeutung Zwetajewas für die deutsch-russischen Kulturbeziehungen. Zwetajewa-Expertin Elena Beleninova (Leipzig) erzählte von Zwetajewas Leben und ihrer besonderen Beziehung zu Rainer Maria Rilke. Beide hegten große Sympathie füreinander, obwohl sie sich zu Lebzeiten nie gesehen hatten und ihr einziger Kontakt aus Briefen bestand. Beide wohnten in Dresden sogar in derselben Straße, dem Rißweg – allerdings zu unterschiedlichen Zeiten.

Trotz des regnerischen Wetters waren zur Infotafelenthüllung viele Interessierte gekommen. Unter den Gästen waren der neue russische Generalkonsul in Leipzig Andrej Dronov, der Leiter des Russischen Hauses in Berlin Pavel Izvolskiy, der Leiter des Russischen Hauses in Prag Leonid Gamza, der Dresdner Kulturamtsleiter a.D. Dr. Werner Barlmeyer, die Mitarbeiterin bei der Integrations- und Ausländerbeauftragten der Stadt Dresden Marie-Luise Lehmann sowie die tatarische Schriftstellerin Guzel Yakhina. Bedauerlicherweise hatten weder der Oberbürgermeister noch die Kulturbürgermeisterin der Stadt Dresden Zeit gefunden, dem Ereignis beizuwohnen.
Großzügigerweise erklärten sich die Besitzer des Hauses bereit, einigen Personen das Haus zu zeigen. Von nun an ziert eine kleine dunkelrot gehaltene Infotafel den Eingangspfosten zum Haus.Nach einem kleinen Sektempfang führte Elena Beleninova einige Interessierte zu Stätten Zwetajewas auf dem Weißen Hirsch.

Zwetajewas Geburtstag ging mit einem Festkonzert im DRKI weiter, welches Abiturientin Elisabeth Gershkovitsch mit einem Zwetajewa-Gedicht auf Russisch und Deutsch eröffnete. Im komplett gefüllten Saal versetzten Elena Rubinova (Klavier), Sergej Nikulin (Fagott) und Elvira Rakova (Gesang) die Zuschauer mit Darbietungen von Rachmaninow, Bizet, Glinka und Tschaikowskij in Entzücken.

Der Höhepunkt der Feierlichkeiten gipfelte im 12. Internationalen Marina Zwetajewa-Lagerfeuer. DRKI-Kulturmanagerin Freyja Ebner stellte am Anfang das aktuell laufende Jugendprojekt „Familie Zwetajew – russische Weltkultur in Dresden“ vor und moderierte die anschließende Veranstaltung. Während im Hintergrund das Lagerfeuer knisterte, erklangen Gedichte von Marina Zwetajewa in verschiedenen Sprachen. Salem Al Saad aus Syrien trug ein Gedicht auf Arabisch und Russisch vor und Parya Ghiasvand aus dem Iran gab drei Übersetzungen auf Farsi (Persisch) zum Besten. Zwetajewas Gedichte im Original hörten die Zuschauer von der Leiterin der Samstagsschule Raduga Nina Bauer, Elena Beleninova und Gymnasiast Ivan Podgorny. DRKI- Bibliotheksmitarbeiterin Elena Kusnetsova beeindruckte mit einem eigens verfassten Gedicht an Zwetajewa und DRKI-Praktikantin Emma Volkova trug ein Gedicht Rilkes, das er an Zwetajewa geschrieben hatte, vor. Der Abend endete mit einem offenen Rednerpult. Jeder konnte seine liebsten Gedichte vortragen, dabei war es einerlei, aus welchem Jahrhundert oder aus welcher Feder diese stammten.

[/et_pb_text][et_pb_gallery admin_label=”Galerie” gallery_ids=”1979,1966,1976,1975,1974,1973,1972,1971,1970,1969,1968,1967″ fullwidth=”on” show_title_and_caption=”on” show_pagination=”on” background_layout=”light” auto=”off” hover_overlay_color=”rgba(255,255,255,0.9)” caption_all_caps=”off” use_border_color=”off” border_color=”#ffffff” border_style=”solid” /][/et_pb_column][/et_pb_row][/et_pb_section]

Lass das Dostojewskij-Denkmal sprechen!

[et_pb_section][et_pb_row][et_pb_column type=”4_4″][et_pb_text admin_label=”Text” background_layout=”light” text_orientation=”left” use_border_color=”off” border_color=”#ffffff” border_style=”solid”]

Die Entstehungsgeschichte des Dostojewskij-Denkmals aufarbeiten – das haben ein paar Jugendliche gemeinsam mit dem DRKI im Rahmen des Projekts „Spurensuche“ der Sächsischen Jugendstiftung getan und das Ergebnis an den Sächsischen Jugendgeschichtstagen am 18. November im Sächsischen Landtag präsentiert. An dem Projektstand zeigten wir eine Präsentation, die die Entstehung des Denkmals, seine Vorgeschichte, aber auch die Person Dostojewskijs beleuchtete. Zum ersten Mal wurde die Denkmalgeschichte der Öffentlichkeit präsentiert. 10 Jahre hatte es gedauert, bis das Denkmal in Dresden errichtet werden konnte. Neben der Entstehungsgeschichte hatten unsere Jugendlichen auch unbekanntere Informationen über den Schriftsteller herausgearbeitet, beispielsweise seine Wirkung auf Literatur und Philosophie in der arabischen Welt. In einer extra für das Projekt erstellten Broschüre finden sich neben den zahlreichen Informationen u.a. die verschiedenen Entwürfe für das Denkmal und mögliche Denkmalstandorte. Fotos, wie die Skulptur nach Dresden gekommen ist oder auf den Sockel gehievt wurde, veranschaulichen die spannende Denkmalgeschichte. Und natürlich wird die Frage beantwortet, wie es zu der Enthüllung mit Angela Merkel, Wladimir Putin und Georg Milbradt gekommen ist…

Viele Besucher der Jugendgeschichtstage kannten das Denkmal, das sich in unmittelbarer Nachbarschaft zum Sächsischen Landtag befindet, und freuten sich über die Ausführungen unserer jungen Spurensucher. Auch der Präsident des Sächsischen Landtags Dr. Matthias Rößler sprach mit unseren Jugendlichen über das Denkmal, an dem er 5 Tage zuvor Blumen gelegt hatte (siehe https://www.drki.de/dostojewskij-festlichkeiten-2016/).

 

[/et_pb_text][et_pb_gallery admin_label=”Galerie” gallery_ids=”1039,1043,1040,1037,1038,1036,1041,1033,1042,1044″ fullwidth=”off” posts_number=”8″ show_title_and_caption=”on” show_pagination=”on” background_layout=”light” auto=”off” hover_overlay_color=”rgba(255,255,255,0.9)” caption_all_caps=”off” use_border_color=”off” border_color=”#ffffff” border_style=”solid”] [/et_pb_gallery][/et_pb_column][/et_pb_row][/et_pb_section]