Das Totale Diktat in Dresden

Am 16. April fand im Russischen Zentrum des DRKI das weltweit durchgeführte „Totale Diktat“ des Russischen statt. In diesem Jahr war für uns im DRKI das Besondere, dass der Autor des Diktattextes der beliebte russische Kinderbuchautor und DRKI-Gast Andrej Usatschow war.

Mehr als 40 Leute nahmen an dem Diktat in Dresden teil. In diesem Jahr wurde erstmals auch der Test TRUD (TD – Totales Diktat, RU – Russische Sprache) für Nichtrussischmuttersprachler angeboten.

Besonders gut schnitten bei dem Totalen Diktat Nina Bauer, die Leiterin der Dresdner Samstagsschule Raduga, Ljudmila Tatarnikova vom russischen Generalkonsulat Leipzig sowie DRKI-Kulturmanagerin Freyja Ebner ab. Dank des Engagements von Frau Bauer kamen einige ihrer Schüler zum Diktat und testeten ihre Russischkenntnisse. Ljudmila Tatarnikova kam extra aus Leipzig, um in Dresden ihr allererstes Totales Diktat zu schreiben. Die Teilnahme einer so offiziellen Person beeindruckte die Teilnehmenden sehr. Noch mehr aber beeindruckte uns der Mut von Freyja Ebner, Absolventin der Tübinger Universität, die als Nichtrussischmuttersprachlerin den Text für die Russischmuttersprachler mitschrieb und diese Aufgabe meisterte. Wir sind außerdem unserer unersetzbaren Diktierenden Irina Novominskaya, Russischlehrerin und Mitarbeiterin in unserer Bibliothek, sowie allen freiwilligen Helfern für die tolle Ausführung des Diktats sehr dankbar! Wir freuen uns schon auf das nächste Diktat 2017.

 

Was Leonid Krasin bei Siemens gelernt hat…

Am 13. April 2016 erzählte im DRKI Dr. Jochen Haeusler (Nürnberg) über Leonid Krasin und das sowjetische Außenhandelsmonopol.

Dr. Jochen Haeusler ist ehemaliger Siemenslabor- und Werkleiter sowie Forscher der deutsch-russischen Industrie- und Kulturbeziehungen und gab an dem Abend einen Einblick in ein besonderes Kapitel der deutsch-russischen Beziehungen.

Leonid B. Krasin (1870-1928) wurde früh als Mitglied einer marxistischen Studentengruppe in St. Petersburg „auffällig“, studierte in St. Peterburg und Charkow Chemie und hielt Kontakte zum linken Untergrund. Er flüchtete nach Deutschland, wo er in den Siemensfirmen in Berlin arbeitete und von dort aus nach Russland gesandt in Moskau und St. Petersburg als Direktor Führungsaufgaben übernahm. Erst nach der Revolution, als Lenin feststellte, dass niemand im Führungskader der Bolschewiki Organisations- und Verwaltungserfahrungen, geschweige denn politische Erfahrungen auf internationaler Bühne hatte, gelang es Lenin Krasin zur Mitarbeit im neuen Russland zu gewinnen. Krasin wirkte mit bei der Beendigung des ersten Weltkrieges und setzte die „Elektrifizierung des Landes“ durch – er ist der geistige Vater von Lenins berühmten Ausspruch „Kommunismus – das ist Sowjetmacht plus Elektrifizierung“. Eine seiner wichtigen Maßnahmen war die Durchsetzung des sowjetischen Außenhandelsmonopols, mit dem er den wirtschaftlichen Aufbau der Sowjetunion begann. In diese erfolgreichen Strukturen floss viel Know-how ein, das er in verschiedenen Funktionen bei Siemens gesammelt hatte. So hatten bei Siemens die Fabriken kein Recht, die Verkaufspreise für den Markt zu ermitteln. Nur Vertriebsorganisationen durften dies – so dass dann Siemens nach außen mit nur einer Stimme sprach. Ebenso verhielt es sich beim Außenhandelsmonopol – nur das Außenhandelskommissariat sprach nach außen über den Marktwert.

Unter dem Publikum waren viele ehemalige Studenten Leningrader Hochschulen sowie ehemalige Siemensmitarbeiter, die dem Vortrag äußert interessiert folgten.

 

Managerblick auf die Wirtschaft der DDR

 

Am 30. März war Prof. Karl Döring, ehemaliger Direktor des Stammbetriebs Eisenhüttenkombinat Ost (EKO), ehemaliger Generaldirektor des VEB Bandstahlkombinates „Hermann Matern“ Eisenhüttenstadt und ehemaliger stellvertretender Minister der DDR für Erzbergbau, Metallurgie und Kali, im DRKI zu Gast. Bei uns stellte er seine Autobiographie „EKO. Stahl für die DDR – Stahl für die Welt“ vor und plauderte aus dem Nähkästchen seiner Studienzeit in der UdSSR sowie den Herausforderungen beim erfolgreichen Herausführen des Staatsbetriebs als Aktiengesellschaft in die Marktwirtschaft. „Ich schrieb das Buch, um Zeugnis über diese Zeit abzulegen“, so Döring zu Beginn seiner Lesung.

Wie unser Vorstandsvorsitzender Dr. Wolfgang Schälike war Döring im August 1955 mit rund 400 anderen deutschen Studenten mit dem Zug gen UdSSR gefahren, um dort zu studieren. An seine Studienzeit in Moskau erinnert sich Döring gern: So lernte er am Moskauer Stalin-Institut für Stahl (heute MISiS) neben Eisenhüttenkunde auch viel über die russische Kultur kennen (u.a. schwänzte er Seminare 1958 um live den Ersten Tschaikowskij-Wettbewerb zu schauen). Diverse Praktika führten ihn nach Soporoschje, Kriwoj Rog und auch in das damalige Stalingrad, wo er von den Mitarbeitern trotz der historischen Tragik als Deutscher wohlwollend aufgenommen wurde.

Und wie gelang ihm die erfolgreiche Umwandlung des EKO-Kombinats in eine Aktiengesellschaft nach der Wende? U.a. mit der Ausrichtung nach Russland: „Es war eine Existenzfrage, mehr als 55.000 Leute waren in Eisenhüttenstadt von dem Umbruch betroffen“, erinnert sich Döring. Dank seiner über die Jahrzehnte gewachsenen Kontakte und gegenseitiges Vertrauen in sowjetische Partner wurden 1991 rund 440.000 Tonnen Warentausch zwischen EKO und dem Kombinat Tscherepowez vereinbart, was den Übergang erleichterte.

Dem interessierten Publikum, meist auch Absolventen sowjetischer Hochschulen, erläuterte Döring außerdem seine Sicht auf das wirtschaftliche System der DDR. So sei entgegen der weitverbreiteten Meinung das System weder bankrott noch marode gewesen, es sei eher am Unvermögen der Reformierbarkeit gescheitert. Alles in allem gab Döring der Abend einen wertvollen Einblick in die wirtschaftlichen Strukturen der DDR.

 

Rachmaninow-Fest

Am 20. März 2016 wurde im Rahmen des Rachmaninow-Festes der symbolische Grundstein für ein künftiges Rachmaninow-Denkmal in Dresden gelegt. Aus diesem Anlass fand im DRKI eine literarisch-musikalische Matinee statt, bei der die Gäste sich der Persönlichkeit und dem Werk des großen russischen Komponisten Sergej Rachmaninow nähern konnten.

Die Familie von Rachmaninow verbrachte drei Winter in der sächsischen Hauptstadt (von 1906 bis 1909). Der Komponist genoss ein ruhiges, zurückgezogenes Leben hier und fühlte sich bald in der Florenz an der Elbe heimisch. In seinen Briefen erinnerte sich Rachmaninow nostalgisch an diese Zeit voller Harmonie und Inspiration für ihn: „Wir leben hier still und bescheiden […] wir sehen keinen und kennen niemanden. Die Stadt selbst gefällt mir sehr: sehr sauber, sympathisch und viel Grün in den Gärten. […]“ (1906). Eine der berühmtesten Sinfonien, die zweite Sinfonie, sowie viele seiner späteren Werke komponierte Rachmaninow in Dresden. Im Jahr 1909 kehrte Rachmaninow, ein Familienversprechen haltend, nach Russland zurück. Der Abschied von der Stadt fiel ihm schwer. In einem Brief an seinen Freund und Lehrer Sergej Tanejew offenbarte er sein Betrübnis: „Wie schön ist es hier in Dresden, Sergej Iwanowitsch! Und wenn Sie wüssten, wie traurig ich bin, dass ich hier den letzten Winter verbringe!“ (1909). Die Konzerttouren und Gastspiele führten ihn aber immer wieder nach Sachsen zurück, er besuchte hier die Verwandten und nahm aktiv am Stadtleben teil und unterstützte finanziell die russisch-orthodoxe Gemeinde in Dresden.

In diesem Jahr entschloss sich das DRKI, die Idee des bekannten russischen Dirigenten Michail Jurowski, ein Denkmal zu Ehren Sergej Rachmaninows in Dresden zu errichten, zu unterstützen und die Initiative dazu zu ergreifen.

In der Matinee traten das Vokal Duo „L‘Anima Lirica“ (Maria Möller und Anna Ryndyk), begleitet am Klavier von Oleg Pilchen, und der Dresdener Schriftsteller Klaus Funke auf. Während das Vokal-Duo das Publikum mit romantischen Klängen von Rachmaninow-Romanzen begeisterte, eröffnete Klaus Funke mit seiner Rachmaninow-Trilogie den Gästen ein fesselndes Mosaik aus den Höhen und Tiefen vom Schicksal dieses großen Musikers. Zum allersten Mal stellte er den zweiten, noch unveröffentlichten Band der Trilogie „Auszug aus einem fremden Lande“ vor. Nach dem Konzert lief im Institut der Dokumentarfilm des russischen Fernsehsenders „Kultura“, der sich mit Rachmaninow und seinem Leben in Dresden auseinandersetzt. Wie immer wurde den Gästen ein traditionelles russisches Essen angeboten.

Die Matinee endete in einer festlichen Stimmung und in der Hoffnung auf eine erfolgreiche und baldige Errichtung des Denkmals.

 

Lesung “Kampf um die Arktis”

Am 16. März 2016 präsentierten bei uns Ralf Rudolph und Uwe Markus ihr Buch „Kampf um die Arktis. Warum der Westen zu spät kommt“. In dem Buch beschäftigen sich beide Autoren mit der Frage, welche künftige Rolle die Arktis in Zeiten der Ressourcenverknappung und Klimaerwärmung auf geopolitischer Ebene spielt. Hierbei erläutert das Buch, wie die Arktis-Anrainer-Staaten, u.a. Russland, auf die veränderte Interessens- und Sicherheitslage reagieren.
Das neu erschienene Buch ist nicht das erste gemeinsame Projekt der beiden Autoren, welches dem Thema Russland und seiner Politik gewidmet ist. Schon früher haben sie zusammen Bücher wie u.a. „Renaissance einer Weltmacht“, „Kriegsherd Ukraine“ veröffentlicht. Ralf Rudolph studierte am Institut für Luft- und Raumfahrt in Moskau und arbeitete als Betriebsdirektor des Raketen-Instandsetzungswerkes Pinnow. Uwe Markus ist Dozent für Soziologie und auch als Marketingberater tätig. Präzise und spannend dokumentieren Rudolph und Markus die machtpolitischen Interessen Russlands, seine politischen und wirtschaftlichen Strategien sowie die Wechselbeziehungen mit anderen Ländern in ihren Büchern.
Nach der Lesung diskutierten die Gäste noch lange über die gegenwärtige Lage Russlands, die allgemeine Weltlage sowie die politischen und wirtschaftlichen Strategien Russlands, der USA und Europa.