Wissenschaftlicher Vortrag über Alexei K. Tolstoi

Wissenschaftlicher Vortrag über Alexei K. Tolstoi

Anlässlich des 200. Geburtstags des berühmten russischen Schriftstellers Alexei Konstantinowitsch Tolstoi hielt am 4. Oktober 2017 Dr.-Ing. Jochen Haeusler (Nürnberg) im DRKI einen Vortrag über Tolstoi und Deutschland. Dr. Haeusler hatte als einziger deutscher Vertreter an den offiziellen Feierlichkeiten zum 200. Geburtstag A.K. Tolstois nahe Brjansk teilgenommen. Er erzählte von Tolstois frühen Deutschlandreisen, außerdem stellte er das Dorf Krasnyj Rog, in dem Tolstoi aufwuchs und später arbeitete, vor. Des Weiteren erfuhren wir, dass Tolstoi und seine Cousins Schemtschunikow unter dem Pseudonym Kosma Prutkow Werke veröffentlicht hatten. A.K. Tolstoi widmete einen Großteil seiner Liebeslyrik seiner Frau Sofia, die er in Deutschland geheiratet hatte. Seine Liebe zur deutschen Kultur und Poesie zeigte er vor allem in seinen Dichtungen, die er auf Deutsch und Russisch schrieb. Da A.K. Tolstoi ein großer Verehrer Heinrich Heines war, versuchte er dessen Werk in Russland populär zu machen. Nach dem Vortrag unterhielten sich einige Besucher noch über Tolstois...
Auf den Spuren von Alexander von Humboldt in Sibirien

Auf den Spuren von Alexander von Humboldt in Sibirien

Am 27. September hielt Prof. Friedrich Naumann (Chemnitz) im DRKI einen Vortrag über Alexander von Humboldts Russland-Sibirien-Reise von 1829. Sie dauerte 23 Wochen, vom 12. April bis 28. Dezember 1829. Insgesamt legte Humboldt 15468 km mit Kutschen und Schiff zurück. Er besuchte u.a. Moskau, Nischni Nowgorod, Kasan, Perm, Jekaterinburg, Nischni Tagil, Tobolsk, Barnaul, Semipalatinsk und Orenburg. Von Zar Nikolaus I. erhielt er den Auftrag u.a. die Goldlagerstätten und Edelsteinlagerstätten zu inspizieren sowie physikalische und geographische Vermessungen durchzuführen. Die Reise reiht sich ein in eine Reihe von Forschungsreisen ausländischer Gelehrter nach Russland, die die russischen Zaren in Auftrag gaben, um das russische Reich zu erforschen. Begeistert war Humboldt vom Fluss Irtysch, dessen Ufer und „die gewaltigen schönen Ebenen Asiens“ er pries. Prof. Naumann hatte an Expeditionen der DAMU (Deutsche Assoziation der Absolventen und Freunde der Moskauer Lomonossow-Universität e.V.) 1999 nach Sibirien und 2002 in den Ural teilgenommen. Einige Fotos zeigte er in dem Vortrag, u.a. vom Irtysch, der Mineralogischen Sammlung in Jekaterinburg sowie vom sogenannten Humboldtberg im Nordural. Nach dem Vortrag stand Prof. Naumann einigen Gästen noch lange Rede und Antwort zu Fragen rund um die...
Sächsischer Bergbau in Russland

Sächsischer Bergbau in Russland

Am 28. September 2016 hielt der emeritierte Chemnitzer Professor Dr. Dr. Friedrich Naumann im DRKI seinen Vortrag zum Thema „Sächsische Bergbaukunst im Dienste russischer Zaren“. Darin erläuterte er die engen historischen Zusammenhänge und den regen wissenschaftlichen Austauschs zwischen Sachsen und Russland auf dem Gebiet des Bergbaus. Das interessierte Publikum erfuhr dabei von den Auslandsreisen Peters des Großen, die 1725 gegründete Akademie der Wissenschaften und dem Befehl von August dem Starken an die Kurfürstlichen Räte, „Handwerksleute nach Moskau zu senden“ (1699). Prof. Naumann erläuterte den Aufbau einer Bergbauverwaltung und welche Berufe dafür benötigt werden. Die meisten dieser speziellen Berufe sind im Russischen fast eins zu eins aus dem Deutschen entlehnt. Im Vortrag fielen viele Namen bedeutender Sachsen, die in Russland gewirkt hatten, u.a. vom Oberberghauptmann Carl Alexander von Schönberg, der die Bergbauverwaltung in Russland aufbaute. Des Weiteren erzählte Prof. Naumann, dass 1773 die Bergbau-Lehranstalt Gornij in St. Petersburg nach dem Vorbild Freibergs gegründet wurde und in dieser Zeit allgemein mit der Erforschung Russlands mit ausländischer Hilfe begonnen wurde. Ende des 18. Jhs. waren 1/5 der Fachleute des ingenieurtechnischen Personals Deutsche. Auch hob Prof. Naumann die Wichtigkeit der Stadt Freiberg für die russischen Studenten hervor: 1706 wurden erste russische Studenten nach Freiberg entsandt, von 1765-1835 gab es dort 801 Russen – 11% aller inskribierten Studenten. Auch Michail Lomonossow zählt dazu, der 1739/1740 nach Freiberg kam. Lomonossow hatte dort aufmerksam die Standardschriften zum Bergbau von Agricola studiert und dessen Zeichnungen auffallend nachgeahmt in seinem Werk zum Bergbau verwendet. Prof. Naumann, der bis 2005 Professor für Wissenschafts-, Technik- und Hochschulgeschichte an der TU Chemnitz war, erzählte am Ende vom 2014 eröffneten Lomonossow-Haus in...
Was Leonid Krasin bei Siemens gelernt hat…

Was Leonid Krasin bei Siemens gelernt hat…

Am 13. April 2016 erzählte im DRKI Dr. Jochen Haeusler (Nürnberg) über Leonid Krasin und das sowjetische Außenhandelsmonopol. Dr. Jochen Haeusler ist ehemaliger Siemenslabor- und Werkleiter sowie Forscher der deutsch-russischen Industrie- und Kulturbeziehungen und gab an dem Abend einen Einblick in ein besonderes Kapitel der deutsch-russischen Beziehungen. Leonid B. Krasin (1870-1928) wurde früh als Mitglied einer marxistischen Studentengruppe in St. Petersburg „auffällig“, studierte in St. Peterburg und Charkow Chemie und hielt Kontakte zum linken Untergrund. Er flüchtete nach Deutschland, wo er in den Siemensfirmen in Berlin arbeitete und von dort aus nach Russland gesandt in Moskau und St. Petersburg als Direktor Führungsaufgaben übernahm. Erst nach der Revolution, als Lenin feststellte, dass niemand im Führungskader der Bolschewiki Organisations- und Verwaltungserfahrungen, geschweige denn politische Erfahrungen auf internationaler Bühne hatte, gelang es Lenin Krasin zur Mitarbeit im neuen Russland zu gewinnen. Krasin wirkte mit bei der Beendigung des ersten Weltkrieges und setzte die „Elektrifizierung des Landes“ durch – er ist der geistige Vater von Lenins berühmten Ausspruch „Kommunismus – das ist Sowjetmacht plus Elektrifizierung“. Eine seiner wichtigen Maßnahmen war die Durchsetzung des sowjetischen Außenhandelsmonopols, mit dem er den wirtschaftlichen Aufbau der Sowjetunion begann. In diese erfolgreichen Strukturen floss viel Know-how ein, das er in verschiedenen Funktionen bei Siemens gesammelt hatte. So hatten bei Siemens die Fabriken kein Recht, die Verkaufspreise für den Markt zu ermitteln. Nur Vertriebsorganisationen durften dies – so dass dann Siemens nach außen mit nur einer Stimme sprach. Ebenso verhielt es sich beim Außenhandelsmonopol – nur das Außenhandelskommissariat sprach nach außen über den Marktwert. Unter dem Publikum waren viele ehemalige Studenten Leningrader Hochschulen sowie ehemalige Siemensmitarbeiter, die dem Vortrag...