DRKI e.V. nimmt teil am 6. Markt für Geschichte und Geschichte
27.03.2010 bis 28.03.2010 | 10:00 bis 17:00 Uhr
Technische Universität Dresden
Nöthnitzer Straße 46
01187 Dresden
Hartmann, Moreau und Dostojewski
Sächsische Industrie-, Polizei- und Militärgeschichte, Präsentationen zu Medizin-, Schul- und Stadtteilgeschichten, zu Sport, Philatelie, Malerei oder Baudenkmalen - das Angebot an interessanten Projekten war breit gefächert. Bereits zum sechsten Male präsentierten Ende März Hobbyforscher, Vereine und Bürgerinitiativen ihre Angebote. Das reichte von Briefmarken mit Motiven aus der Galerie Alte Meister bis zur Firmengeschichte Karl August Lingners, von Brückenbauern über Photo-Pioniere bis zu Sächsischen Spuren in Russland. Auch diesmal wieder war der Markt auf dem Campus der Technischen Universität gut besucht, sind die Dresdener doch stets sehr interessiert an der Geschichte ihrer Heimat.
Am Stand des Deutsch-Russischen Kulturinstituts kam es zu zahlreichen interessanten Begegnungen. So konnten wir über unsere Projekte berichten, Fragen zur russischen Geschichte beantworten, die Arbeit des Kulturinstituts und der Stiftung „Russkij mir" vorstellen. Eines unserer Plakate machte mit dem Denkmal für Fjodor Dostojewski (1821-1881) bekannt, der ja öfter in Dresden zu Gast war. - In einem Kurzvortrag berichtete ich über die mehr als tausend Jahre alten Beziehungen zwischen Deutschen und Russen und stellte unser Projekt „Sächsische Spuren in Russland" näher vor. Man staunte über die Vielfalt der Kontakte über die Jahrhunderte hinweg - so über das Wirken von Paul Fleming, Moritz von Sachsen, Manfred von Ardenne oder Clara Schumann in Russland, über sächsische Erfindungen, die seit Langem auch zwischen St. Petersburg, Odessa und Wladiwostok zum Alltag gehören, wie zum Beispiel Kaffeefilter und Teebeutel, Kondensmilch und Milchschokolade, Martinshörner, Perücken oder Thermoskannen.
Wir erfuhren in Gesprächen interessante, für uns oft neue Geschichten über Beziehungen zwischen Deutschen und Russen: So stammten die Vorfahren des großen russischen Komponisten Peter Tschaikowski (1840-1893) aus Meißen an der Elbe. Sein Großvater Heinrich Maximilian Acier siedelte 1904 nach St. Petersburg über und arbeitete dort in der Zollverwaltung; dessen Tochter Alexandra heiratete Peters Vater Ilja Tschaikowski. - Der „Entdecker von Troja" Heinrich Schliemann (1822-1890) gründete 1846 auf dem Newski-Prospekt ein Handelshaus, erwarb die russische Staatbürgerschaft und heiratete 1852 in der Petersburger Isaak-Kathedrale nach orthodoxem Ritus die russische Kaufmannstochter Jekaterina Petrowna Lyshina. - Oder: Der schwedische Chemiker und Erfinder des Sprengstoffes Dynamit Alfred Nobel (1833-1896) lebte von 1843 bis 1850 bei seinem Vater in Russland, schloss in dessen Fabrik seine Ausbildung zum Maschinenbauer ab, bevor er mit seinen bahnbrechenden Erfindungen ein großes Vermögen anhäufen konnte. Aus den Erlösen dieses Geldes werden noch heute alljährlich die Nobelpreise für Literatur, die Naturwissenschaften und auch der Friedens-Nobelpreis finanziert.
Es gibt in Dresden Forschungen zum französischen Revolutionsgeneral Jean Victor Moreau (1763-1813), der - Gegner Napoleons geworden - 1813 im Rock des russischen Zaren Alexander I. in der Schlacht bei Dresden gegen die Franzosen kämpfte und dabei sein Leben ließ. Auf der Räcknitzer Höhe wurde ihm 1814 ein Denkmal errichtet. - Andere beschäftigen sich mit der Geschichte des Lahmann-Sanatoriums auf dem Weißen Hirsch, wo von 1945 bis 1991 die Sowjetarmee einen Stützpunkt betrieb, sammeln Aufkleber der Dresdener Schokoladenindustrie, stellen das Wirken des sächsischen Lokomotiven-Königs Richard Hartmann (1809-1878) vor, dessen Sohn Gustav 1897 im ukrainischen Lugansk eine große Fabrik aufgebaut hat. 1900 rollte die erste Dampflokomotive aus dem dortigen Werksgelände. Später wurden hier Dieselfahrzeuge gebaut ...
Und so war der Geschichtsmarkt auch in diesem Jahr wieder ein lebendiger Umschlagplatz für Projekte, Ideen und Anregungen zur Beschäftigung mit der regionalen Geschichte - eine Fundgrube für alle historisch und kulturell Interessierten.
Norbert Landsberg