Bulat Okudshawas Besuch - eine Ehre für das DRKI
Er sang so angenehm unvollkommen, sanft und leise, wirkte so verletzlich inmitten all der protzig-patriotischen Sowjetkünstlichkeit aus klobigen Heldendenkmälern, glattgebügeltem Estradengetöne und heiligen Worthülsen. Und doch wohnte Bulat Okudshawas Poesie eine immense Kraft inne, die mühelos riesige Konzertsäle füllte oder notfalls private Wohnungen - und sich auf die Menschen übertrug, welche sie, mangels legaler Verbreitungskanäle, in Form von kratzigen Amateurmitschnitten auf ausgeleierten Kassetten weitergaben von Hand zu Hand, bis in die entlegensten Winkel der Union. Und darüber hinaus: Auch kritische Geister in der DDR ließen sich Ende der 80er von Okudshawas Liedern inspirieren!
Ob es sein allerletztes „richtiges" Konzert war, das der warmherzige Barde im September 1995 im Deutsch-Russischen Kulturinstitut gab, ist nicht bewiesen. Dem glücklichen Dresdner Publikum schenkte er jedenfalls noch einmal ein abendfüllendes Programm mit seinen großartigen, melancholisch-tiefgründigen Chansons. Am Ende seines Lebens soll Bulat Okudshawa das Singen zunehmend schwergefallen sein. Was den zärtlichen Kämpfer nicht daran hinderte, weiter aufzutreten: Er starb am 12. Juni 1997 auf einer Lesereise in Paris.
Tomas Werner