Klavierkonzert mit Olga Bobrovnikova
30.01.10 | 17.30 Uhr
Zittauer Straße 29
01099 Dresden
Aus dem russischen Silberjahrhundert
Konzert mit Werken von Paul August Pabst
In unserem Hause auf der Zittauer Straße 29 wurde am Sonnabend, 30. Januar 2010, der musikalisch-literarische Salon eröffnet. Er soll zum Dialog zwischen den Kulturräumen in Deutschland und Russland einladen, Traditionen und Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern stärken helfen.
Zum Auftakt gab es eine besondere Veranstaltung: Die bekannte russische Pianistin Olga Bobrownikowa - geboren und ausgebildet in
Moskau - lebt heute in Brüssel und gibt Konzerte in vielen Ländern. Diesmal stellte sie den weithin unbekannten Komponisten Paul August Pabst (1854-1897) vor - einen Zeitgenossen und Mitstreiter Peter Iljitsch Tschaikowskis. - Sie sei fasziniert gewesen, als sie die ersten Noten dieses einst gefeierten Pianisten und Komponisten in ihren Händen hielt. Wenig war nur über ihn bekannt. Das weckte ihren Forscherdrang. Und so begab sich Olga auf die Spuren von Pabst, fand Bilder, Dokumente, Handschriften und Noten in Moskau und Paris, in London und New York. Sogar in Dresden gab es Entdeckungen. Paul August
Pabst wohnte von 1869 bis 1871 in einer Villa auf der Liebigstraße in Dresden-Plauen. Dort entstand zum Beispiel auch die „Barkarole" op. 44, die wohl an die Fahrt mit einem historischen Raddampfer auf der Elbe erinnern soll. (Sie gehörte zum Konzertprogramm des Abends.) In Dresden lebte auch Elisabeth Chrambach, eine Cousine des Komponisten. Die Chrambachs gehörten damals zur kulturellen Elite in der Residenzstadt. - Olga entdeckte auch Grabstätten der Familie Pabst in Thüringen (Raum Erfurt), in Riga, Königsberg und Kiew, gedachte an der Grabstätte in Moskau dem Komponisten selbst.
Vor ihrem Konzert machte sie die Gäste mit historischen Film- und Fotoaufnahmen von Erinnerungsstätten, Dokumenten und Musikaufnahmen bekannt. So erklang zum Beispiel eine Phrase auf einem alten Phonographen. - Auch einem „Geheimnis" kam Olga Bobrownikowa auf die Spur: Während eines Treffens zwischen Pabst und Tschaikowski 1874 in Kiew hatte der Unbekanntere wohl Anteil am Zustandekommen eines Klavierkonzertes von Peter Iljitsch. Davon ist die Pianistin nach eingehender Recherche überzeugt.
So hatte sie sich mit ihrer Arbeit einen Traum erfüllt, wollte sie doch mehr über Paul August Pabst erfahren. Auf Grundlage von Briefen, Dokumenten und eigenen Recherchen entstand ihr eigenes Buch, von dem sie ein Exemplar dem DRKI übergab.
Im zweiten Teil des Konzertabends standen dann acht Stücke mit Musik des Komponisten auf dem Programm - unterstützt durch filmische Sequenzen, die jeweils der Stimmung der Stücke angepasst waren. Zum Krönungsjubiläum von Zar Alexander III. im Februar 1882 entstand das einzige Konzert für Klavier und Orchester von Pabst. Bei der Uraufführung saß der berühmte Pianist Anton Rubinstein am Flügel. Olga spielte einige kleinere Szenen ...
Sie musizierte auf einem 80 Jahre alten Flügel der deutschen Klavierbaufirma Schröder aus St. Petersburg (Firma „Krasnij Oktjabr"), den das Deutsch-Russische Kulturinstitut Dresden vor einiger Zeit günstig erwerben konnte. - Den Schluss ihres Konzertes bildeten Themen aus russischen Opern, wie zum Beispiel aus „Pique Dame" und „Eugen Onegin" von Tschaikowski.
Die virtuose Musik Pabsts - spätromantisch und in Teilen sehr gefühlvoll - bietet das ganze Spektrum zwischen Dramatik und zarten Gefühlen, oft elegisch, lebhaft oder kraftvoll. Für die Anwesenden brachte der Abend eine wirkliche Entdeckung in das Reich bislang unbekannter Klänge. Und so war dann am Ende der begeisterte Applaus mehr als nur höflich gemeint ...
E
rwähnen sollte man noch, dass Olga Bobrownikowa ihren Auftritt dieses Abends ohne Honorar absolvierte. Als Gründerin ihrer eigenen Stiftung „Mu Sic" zur Unterstützung für die Heilung der Krankheit Multiple Sklerose (MS), an der sie selbst leidet, spendete sie ihr Honorar. Und auch die Eintrittsgelder des Abends gelangen an die Stiftung. Damit können zum Beispiel russische MS-Patienten nach Deutschland reisen, um hier professionell behandelt zu werden - Menschen, die sonst nicht über die finanziellen Mittel dafür verfügen würden.
„Musik stärkt und erhöht den Menschen und kann auch therapeutische Kräfte mobilisieren", sagte die Pianistin am Schluss der Veranstaltung.
Es bleibt zu hoffen, dass diese Auftaktveranstaltung im neuen musikalisch-literarischen Salon in der Dresdener Neustadt noch viele interessante Begegnungen mit der Kultur Russlands und Deutschlands nach sich ziehen kann.
Norbert Landsberg
Olga Bobrovnikova - eine Pianistin voller Willenskraft und künstlerischer Leidenschaft erringt internationale Anerkennung. Mehr...