Am 30. März war Prof. Karl Döring, ehemaliger Direktor des Stammbetriebs Eisenhüttenkombinat Ost (EKO), ehemaliger Generaldirektor des VEB Bandstahlkombinates „Hermann Matern“ Eisenhüttenstadt und ehemaliger stellvertretender Minister der DDR für Erzbergbau, Metallurgie und Kali, im DRKI zu Gast. Bei uns stellte er seine Autobiographie „EKO. Stahl für die DDR – Stahl für die Welt“ vor und plauderte aus dem Nähkästchen seiner Studienzeit in der UdSSR sowie den Herausforderungen beim erfolgreichen Herausführen des Staatsbetriebs als Aktiengesellschaft in die Marktwirtschaft. „Ich schrieb das Buch, um Zeugnis über diese Zeit abzulegen“, so Döring zu Beginn seiner Lesung.

Wie unser Vorstandsvorsitzender Dr. Wolfgang Schälike war Döring im August 1955 mit rund 400 anderen deutschen Studenten mit dem Zug gen UdSSR gefahren, um dort zu studieren. An seine Studienzeit in Moskau erinnert sich Döring gern: So lernte er am Moskauer Stalin-Institut für Stahl (heute MISiS) neben Eisenhüttenkunde auch viel über die russische Kultur kennen (u.a. schwänzte er Seminare 1958 um live den Ersten Tschaikowskij-Wettbewerb zu schauen). Diverse Praktika führten ihn nach Soporoschje, Kriwoj Rog und auch in das damalige Stalingrad, wo er von den Mitarbeitern trotz der historischen Tragik als Deutscher wohlwollend aufgenommen wurde.

Und wie gelang ihm die erfolgreiche Umwandlung des EKO-Kombinats in eine Aktiengesellschaft nach der Wende? U.a. mit der Ausrichtung nach Russland: „Es war eine Existenzfrage, mehr als 55.000 Leute waren in Eisenhüttenstadt von dem Umbruch betroffen“, erinnert sich Döring. Dank seiner über die Jahrzehnte gewachsenen Kontakte und gegenseitiges Vertrauen in sowjetische Partner wurden 1991 rund 440.000 Tonnen Warentausch zwischen EKO und dem Kombinat Tscherepowez vereinbart, was den Übergang erleichterte.

Dem interessierten Publikum, meist auch Absolventen sowjetischer Hochschulen, erläuterte Döring außerdem seine Sicht auf das wirtschaftliche System der DDR. So sei entgegen der weitverbreiteten Meinung das System weder bankrott noch marode gewesen, es sei eher am Unvermögen der Reformierbarkeit gescheitert. Alles in allem gab Döring der Abend einen wertvollen Einblick in die wirtschaftlichen Strukturen der DDR.